Awaji Ningyô Jôruri

Awaji Ningyô Jôruri - Ein immaterielles nationales Kulturgut)

Sanbasô

Das Ningyô-jôruri, übersetzt „Puppen“ und „Erzählen“, ist ein traditionelles japanisches Theater, welches sich zusammen mit dem Kabuki seit über 400 Jahren großer Beliebtheit erfreut. Der „tayû“ genannte Rezitator und ein Shamisen-Spieler begleiten das Schauspiel der Puppen auf der Bühne. Eine Puppe wird meist von drei Puppenspielern geführt. Ziehen besonders bewanderte Puppenspieler die Fäden, so zeigen die Puppen Bewegungen, die in ihrer Anmut und Stärke den der Menschen bei weitem überlegen sind. Den Puppen wird nachgesagt, dass sie übersinnliche Wesen sind, die mit Hilfe magischer Kräfte Unglück und Unreinheit beseitigen können.

AWAJI NINGYÔ JÔRURI

In dem Dorf Ichi-Sanjo im Süden Awajis haben bestimmte Familien die Tradition des Puppenspiels aufrecht erhalten und geben den Leuten seit nunmehr schon 500 Jahren den Segen der Götter. Zu Beginn der Edo-Periode im 17. Jahrhundert entwickelte sich aus dieser Tradition ein neuer Stil des Puppentheaters, der sich bald im ganzen Land etablierte. Während der Edo-Periode gehörte Awaji zu dem Herrschaftsgebiet des Tokugawa-Clans, welcher ursprünglich aus dem Osten Shikokus kam. Da die Feudalherren das Puppenspiel über Generationen unterstützten, entstanden bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts mehr als 40 Puppentheater auf Awaji. Diese Zeit wurde auch als Blüte des Puppenspiels bezeichnet und hatte einen enormen Einfluss auf die Kultur jener Region. Auch der Gründer des Bunraku in Osaka, die bekannteste Form des Puppenspiels, Uemura Bunrakuken (1751-1810) stammt von der Insel Awaji.

Die originelle für Awaji typische Inszenierung, bezeichnend durch schnelle Wechsel der Kostüme und Bühnenbilder, und das dynamische Schauspiel der großen Puppen, deren Köpfe größer als beim Bunraku sind, erfreute sich großer Beliebtheit. Außerdem ist der spirituelle Charakter immer noch präsent auf Awaji. Jedes Jahr an Neujahr besucht Sanbasô, eine heilige Puppe, die Bewohner Awajis, um sie für das Jahr zu segnen. In Fischersdörfern wird bei Festen der Ebisumai-Tanz aufgeführt, um die Götter der Meere zu ehren und für reichen Fischfang und sichere Überfahrt zu beten. Selbst die an Emotionen reichen Danjiri-Lieder entstanden aus dem Einfluss des Jôruri.

So war das Puppentheater über Jahrhunderte im Bewusstsein der Menschen Awajis verankert, aber mit dem Aufkommen neuer Unterhaltungsformen wie Film oder Rundfunk verlor das Puppenspiel stetig an Popularität. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden immer mehr Puppentheater und Schauspieltruppen und heute gibt es auf ganz Awaji nur noch ein einziges Puppentheater, das Awaji-ningyô-za.

Shamisen-Spielerin Tsuruzawa Tomoji

Das Awaji-ningyô-za übernahm die Tradition des Yoshida Denjiro-za, eines der ursprünglich großen Theater auf Awaji und zeigt heutzutage noch täglich äußerst beliebte Aufführungen. Außerdem zeigten die Künstler ihr Handwerk auch schon öfters im Ausland, wofür sie große Anerkennung bekommen haben. 18 Schauspieler (9 Männer, 9 Frauen) einschließlich der Shamisen-Spielerin Tsuruzawa Tomoji, welche als lebender Nationalschatz Japans ausgezeichnet wurde, führen ein emotionales Puppentheaterstück auf, welches eine Geschichte voller Gefühle erzählt, begleitet von dem eindrucksvollen Klang der Shamisen. Als Blüte der Edo-Periode hochgelobt und über Generationen überliefert. Genießen Sie unbedingt die einzigartige Bühnenkunst des Awaji Ningyô-jôruri.